EINSATZ

Chemieunfall in Unterbilk

Montag, 3. Mai 2010, 15.43 Uhr, Martinstraße, Unterbilk

Ein Chemieunfall sorgte am Nachmittag für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Ein Arbeiter wurde leicht verletzt. In der Grundwasseraufbereitungsanlage an der Martinstraße gelang am Nachmittag aus bislang ungeklärten Gründen Wasser in einen Dosierbehälter. Der Stoff reagierte mit dem Wasser und des entstanden in einer Halle Schwefeldämpfe. Der anwesende Arbeiter alarmierte umgehend die Feuerwehr unter 112 und teilte auch den genauen Stoffnamen mit. Er atmete geringe Mengen an Schwefeldämpfe ein und wurde leicht verletzt.

 

Rund 50 Einsatzkräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr rückten zu dem Wohngebiet aus. In der Aufbereitungsanlage wird das Grundwasser gereinigt. Aus verschiedenen Brunnen in der Umgebung wird das Wasser in riesige Behälter gepumpt und in mehreren Stufen gereinigt. Ein Dosierbehälterfördert über einen Schneckenbetrieb Natriumdithionit in geringsten Mengen in den ersten Wasserbehälter. Dieses Vorgehen ist ungefährlich und gewollt. Aus ungeklärten Umständen gelang nun aber eine kleine Menge Wasser in den Chemiebehälter. Dort waren von den 250 Kilogramm noch 50 Kilogramm Pulver drin. Sofort entstand eine thermische Reaktion, die den Dosierbehälter auf über 90 Grad Celsius erwärmte.

 

Es bestand die Gefahr, dass sich die Chemikalieselbst entzündet und größere Mengen an Schwefeldämpfen freisetzen würde. Insgesamt neun Einsatzkräfte gingen über vier Stunden verteilt in die Halle und führten Messungen durch. Hierbei wurde die Temperatur überwacht und Luftmessungen durchgeführt. Außerhalb der Halle konnten keine erhöhten Werte festgestellt werden. Daher konnten die Bewohner rund um die 400 Quadratmeter große Halle in ihren Wohnungen bleiben. Parallel wurde ein Wasserschleier um die Leichtbauhalle aufgebaut, um bei Gefahr die Dämpfe sofort niederschlagen zu können. Ein Fachberater der Werkfeuerwehr Henkel, sowie Mitarbeiter des Umweltamtes begleiteten den Einsatz. Schließlich blieb nur abzuwarten, bis die chemische Reaktion zurück ging. Eine Kleine Menge an ausgetretenem Pulver wurde aufgenommen und in ein verschlossenes Fass gefüllt.

 

Nach vier Stunden war die Reaktion soweit abgeklungen, dass der Einsatz beendet werden konnte. Die Feuerwehrmänner in dem Chemieanzug wurden in einem bereitgestellten Zelt abgeduscht, bevor sie den Anzug ablegen konnten. Der 33-jährige Arbeiter wurde von einem Notarzt untersucht, verweigerte jedoch den Transport in ein Krankenhaus. Während des Einsatzes kam es rund um die Martinstraße zu Verkehrsbehinderungen. Zwei Linien der Rheinbahn konnten teilweise nicht fahren oder mussten Umwege in Kauf nehmen. Der S-Bahnhof an der Martinstraße konnte ebenfalls nicht genutzt werden. Die Polizei war mit 20 Polizisten vor Ort um den Verkehr zu leiten. Zur Unglücksursache hat die Bezirksregierung, Abteilung Arbeitsschutz, und die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Durch den massiven Personal- und Geräteeinsatz der Feuerwehr bestand für die Bewohner keine Gefahr. Die Feuerwehr war mit zahlreichen Löschfahrzeugen, Sonderfahrzeugen, der Spezialeinheit für Chemieunfällen und dem Rettungsdienst im Einsatz.

 
 
 
       
       
       
       
       
       
       
       

© Jürgen Truckenmüller, Düsseldorf - letzte Änderung: 11.05.2010